+49 (0) 82 25 / 30 30 | info@golf-klingenburg.de

 MENÜ

Eines ist unbestritten:

Ohne Ferdinand Markt gäbe es keinen Golfplatz rund um Schloss Klingenburg. Der versierte Versicherungskaufmann aus Günzburg hatte Ende der siebziger Jahre eine fixe Idee – und setzte sie trotz aller Widrigkeiten und Vorbehalte in die Tat um. Zwar sind seit dem ersten Spatenstich und dem Premieren-Abschlag "erst" 25 Jahre vergangen, doch im Vergleich zu den golferischen Anfängen ist im Hochtal der Mindel auf der Gemarkung Schönenberg ein landschaftliches Kleinod entstanden, das seinesgleichen sucht. Ein Vierteljahrhundert danach hat sich das einstige Pionierprojekt aus dem schwäbischen Barockwinkel zu einem Vorzeige-Club der besonderen Art gemausert.

Ferdinand Markt, der erste Präsident des Klingenburger Golfclubs, zu dem auch Vorsitzender der zeitgleich gegründeten Kommanditgesellschaft, erinnert sich gern an die turbulenten Anfangszeiten. Da hatten sich ein paar Gleichgesinnte aus dem Raum Günzburg zusammengefunden und wollten quasi aus dem Nichts einen Golfplatz hinstellen. "Von denen hatte keiner eine Ahnung von Golf, und ich schon gar nicht", gibt Markt heute zu. Was ihn freilich nicht daran hinderte, Interessenten über Golf aufzuklären und dabei der staunenden Zuhörerschaft weis zu machen, wer am schnellsten den kleinen Hartgummiball ins Loch befördere, habe gewonnen.

Alles begann damit, dass das Schloss Reisensburg bei Günzburg zu einem "internationalen Institut für wissenschaftliche Zusammenarbeit" der neuen Universität Ulm ausgebaut wurde. Es entstand die Idee, als Ausgleich für die Wissenschaft den Teilnehmern für die sportliche Betätigung Golf anzubieten - also musste ein Golfplatz gebaut werden.

Ursprünglich war ein Areal bei Schloss Landstrost zwischen Reisensburg und Offingen für den "Freundeskreis der Reisensburg", darunter auch der damalige Landrat Dr. Georg Simnacher, wegen seiner geografischen Nähe zur Reisensburg als Golfgelände favorisiert. Doch bei näherer Betrachtung wurde gerade noch rechtzeitig erkannt, dass 38 Hektar Fläche allenfalls für eine Neun-Loch-Anlage ausreichten. Schon damals sahen Ferdinand Markt und Co. die golferische Zukunft nur in einem anspruchsvollen 18-Loch-Parcours – ein entsprechendes und geradezu ideales Areal wurde quasi über Nacht im nicht weit entfernten Schlosspark von Klingenburg auf der Gemarkung Schönenberg "entdeckt".

Dabei erwies sich die kurzzeitige Heimat-Rückkehr des weit gereisten Barons Carl Friedrich von Bonnet zu Meautry von Frese als glücklicher Umstand. Der Erbe von Schloss Klingenburg, der Ende Juni dieses Jahres völlig überraschend in seiner Wahlheimat Venezuela verstorben war (siehe Nachruf), bot von sich aus insgesamt 110 Hektar Parkgelände und die dazu gehörigen Wirtschaftsgebäude zur langfristigen Pacht an. Die Fachleute waren auf Anhieb von dem Gelände begeistert, und die Pioniere von der Reisensburg machten schnell Nägel mit Köpfen. Nicht jedoch, ohne vorher das Haftungsrisiko eingegrenzt zu haben. Am 5. Juni 1978 wurde deshalb in Günzburg die Country- und Freizeitanlagen GmbH mit Ferdinand Markt als erstem Geschäftsführer gegründet mit dem Ziel, Gelände zu pachten zur Errichtung von Freizeit-Anlagen, sprich Golf-Bahnen.

Baron Bonnet-Frese und die GmbH unterzeichneten am 14. Juli 1978 den Pachtvertrag.

Die für 24. Juli 1978 geplante Gründung eines Golfclubs kam jedoch (vorerst) nicht zustande. Nach ausgiebiger Diskussion auf der Reisensburg wurde das Konzept kurzfristig geändert. Anstelle der GmbH trat eine GmbH & Co. KG als Trägergesellschaft – aus rechtlichen, steuerlichen und somit wirtschaftlichen Gründen.

In der folgenden Nacht erlitt Ferdinand Markt einen Herzinfarkt, der ihn allerdings nicht davon abhielt, selbst vom Krankenbett aus die Golfidee weiter zu betreiben. Am 11. August 1978 wurde im Krankenhaus Günzburg der Gesellschaftsvertrag der GmbH & Co. KG zwischen der bereits gegründeten GmbH und dem langsam wieder erholten Spiritus Rector Markt unterzeichnet. Während seiner anschließenden Rehabilitation in der Lauterbacher Mühle nahe St. Eurach am Starnberger See gewann Markt dann weitreichende Einsichten beim dortigen Golfclub-Vorstand, der ein ähnliches Finanzierungsmodell mit einer Trägergesellschaft aufweist.

Durch die Kommandit-Einlagen sollte der Bau des Golfplatzes finanziert werden, der allein den Mitgliedern des Golfclubs zur Verfügung stand. Somit konnten (vorerst) nur Kommanditisten spielendes Mitglied im Golfclub werden. Am 23. März 1980 schlossen dann 108 Gründungsmitglieder den "Pakt fürs Leben" und gründeten den Golf-Club Schloss Klingenburg-Günzburg mit Ferdinand Markt als erstem Club-Präsidenten.
Weitere markante Station war der erste Spatenstich am 29. April 1979 mit honorigen Gästen aus der Region, wobei die 82-jährige Baronin Elisabeth von Bonnet den symbolischen Akt vollzog.

Zuvor war das Areal rund um die Klingenburg ein weitgehend unbekanntes Wesen gewesen und "unten lauerten zwei scharfe Hunde." Aber auch nach dem Schulterschluss verlief die Wandlung vom Schlosspark in einen Golfpark nicht ohne gravierende Einschnitte. "Zunächst haben wir mal 60.000 Bäume und Sträucher gepflanzt auf dem sumpfigen Gelände, wo sich heute die zweiten neun erstrecken", berichtet Markt, "das war vorher eine reine Schafweide. Kühe wären dort glatt versoffen."

Zugleich wurden über 100 Kilometer an Rohren und Leitungen zur Ent- bzw. Bewässerung samt elektrischen Steuerleitungen verlegt. Fast täglich gab es neue Überraschungen und neue Probleme zu lösen. Der einstige Sportwart Hartmut Stache betont: "Nur über Provisorien war das Ganze möglich. Keiner konnte die Entwicklung im Detail übersehen." Und die Kosten natürlich auch nicht.

Auf keiner Rechnung stand zunächst die Verlegung der den gesamten Golfplatz kreuzenden Hochspannungsleitung mit zwei Masten auf den heutigen Spielbahnen 8 und 17. Durch gute Beziehungen zum örtlichen Stromversorger, Club-Schatzmeister und GmbH-Aufsichtsrat Fritz Köhlertz war Direktor im KKW Gundremmingen, konnte das Problem zu tragbaren Bedingungen gelöst werden.

Andernorts musste derweil gerodet werden. Zum Beispiel an der eins, wo ein ganzes Baumfeller-Kommando im Einsatz war, um in einem einzigen Tag die zum Abschlag nötigen Schneisen in den Buchenwald zu schlagen. Nur eine Buche - wer hätte sie nicht schon einmal mit seinem Abschlag getroffen - blieb (bis heute) stehen. Die Genehmigung durch das Landratsamt entsprach fast schon einem Wunder.

Und 15 Monate später flogen dann tatsächlich schon die ersten Bälle. Zunächst nur auf sechs Löchern (1 bis 4 sowie verkürzte 6 und 9), dann ab Juni 1981 auf der vollen halben Runde eins bis neun. Und seit 2. Mai 1984 präsentiert sich die Klingenburger Anlage komplett in voller Pracht mit 18 attraktiven Bahnen, die ihresgleichen suchen. Ein fast perfekt gelungenes Werk, das in erster Linie Golf-Architekt Donald Harradine und Greenkeeper Dieter Sziedat vollbrachten. Aber auch Mutter Natur lieferte einen gerüttelten Anteil für den Glücksfall im Hochtal der Mindel, wo Golf und Landschaft in seltener Harmonie paradieren.

Fach-Journalist Bernd Pieper schwärmte im Golf-Journal in der Ausgabe vom 25. Oktober 1983: "Der Platz ist herrlich natürlich, hat Bewegung im Boden, eine vielseitige und zum Teil seltene Fauna und Flora und genügend natürliche Hindernisse. Der landschaftliche Reiz des Hochufers der Mindel bildet die natürliche Kulisse." Auch Platzarchitekt Donald Harradine konnte sich der Ausstrahlung "seines Werkes" nicht entziehen und zog das Fazit: "Klingenburg bietet alle Voraussetzungen, sowohl von der Länge als auch von der Spannung des Platzes, um sich zum internationalen Meisterschaftsplatz zu entwickeln". Und der einst für die Bauleitung verantwortliche Greenkeeper Dieter Sziedat setzte noch eins drauf: "Dieses Gelände hat der liebe Gott für Golf erschaffen."

Versteht sich, dass Ferdinand Markt den "goldenen Ball" am 2. Mai 1984 höchstpersönlich abschlug. Seine ersten Fach-Kenntnisse hatte er sich beim Nachbarclub in Ulm angeeignet. Seine golferischen Ambitionen lagen weniger in einem niedrigen Handicap als vielmehr in der Mission, einen Golfplatz und -club der besonderen Art zu entwickeln. Einer der wenigen, der damals wirklich etwas von der Materie verstand, war Head-Pro Hans Bessner, der aus einer alteingesessenen Golflehrer-Dynastie stammte. Es ist sicherlich auch sein Verdienst, dass die Klingenburger in Sachen Golfkultur schnell aufholten. Als der Altmeister am 08. Januar 2002 mit 68 Jahren kurz nach seinem Ruhestand überraschend starb, gehörten die Klingenburger längst zum gehobenen Standard in der bundesdeutschen Golfszene.

Auch Ferdinand Markt ist mittlerweile ein versierter Golfer, obwohl es ihm seine Gesundheit in letzter Zeit nicht mehr allzu oft erlaubte, die geliebten Schläger zu schwingen. Ein bisschen Wehmut schwingt auch mit, wenn er an die schwierigen neunziger Jahre zurückdenkt. Das Schicksal des Clubs stand auf des Messers Schneide. Die Kosten waren explodiert, und Mitglieder-Zugänge blieben rar. Eine neue Generation übernahm die Verantwortung. Nur mit Hilfe der mehrmals zur Kasse gebetenen Mitglieder konnte der drohende Kollaps vermieden werden.

Ferdinand Markt (82) hat diesen Rückschlag in seinem Golfer-Ruhestand längst überwunden. Für ihn gibt’s keinen Blick zurück im Zorn, sondern Genugtuung über seine hartnäckigen und vielschichtigen Initiativen, ohne die es keinen Golfplatz rund um die Klingenburg geben würde. Rückblickend fühlt er sich bestätigt: "ich würde es wieder machen - genau so. Es gibt keine anderen Wege." Golf ist für ihn das Hobby seines Lebens, das er gern als "sein Kind" bezeichnet. Und das Kind hat sich in 25 Jahren zum stattlichen Twen entwickelt, der sich überall sehen lassen kann.

Der ursprüngliche Pachtvertrag zwischen Eigentümer und Golfclub sah auf 30 Jahre ab 1978 eine Verlängerungsoption über zweimal 20 Jahre vor. In dem Umstand, dass rechtlich jedes Dauerschuldverhältnis nach 30 Jahren von jedem Vertragsteil gekündigt werden konnte, lag eine erhebliche Unsicherheit für die Zeit nach 2008. Daher bestand seitens der KG von Anfang an der Wunsch auf ein Erbbaurecht. Damit wären die Gebäude auf Zeit Eigentum der KG und hätten auch für Finanzierungszwecke eingesetzt werden können, da ein Erbbaurecht grundsätzlich mit Grundpfandrechten belastbar und damit beleihbar ist.

Doch Anfang der neunziger Jahre kam es zwischen den Pachtparteien wegen angeblicher "Verstöße gegen den Pachtvertrag" zu schwerwiegenden Differenzen. Nachdem der wenig kooperative Bevollmächtige des Eigentümers keinerlei Entgegenkommen signalisiert hatte, mussten gar zwei Rechtsstreite vom Oberlandesgericht München entschieden werden. Die Ergebnisse fielen zwar jeweils zu Gunsten der KG aus, doch das Klima war vergiftet. Die Baumaßnahmen verzögerten und verteuerten sich und notwendige Bankkredite mussten durch persönliche Bürgschaften einzelner Gesellschafter gesichert werden. Erst als sich der Baron von seinem Bevollmächtigten trennte und beim Golfclub sowie der KG ein Führungswechsel erfolgte, kamen die Partner wieder an den Verhandlungstisch.

Und seit 14. Januar 1999 steht der neue Vertrag, der den Klingenburger Golfern mit einer Laufzeit bis Ende 2028 das angestrebte Erbbaurecht garantiert. Club und KG mussten zwar dafür einen sechsstelligen DM-Betrag abführen, doch 30 Jahre Planungssicherheit mit zusätzlichem Finanzierungspotenzial sind diese Investition wohl wert.

 

Vorstände des Golfclub Schloss Klingenburg e.V.
   
Ferdinand Markt             1980 - 1993
Norbert Löhlein 1994 - 2000
Lothar Freitag   2000 - 2004
Jochen Laue 2004 - 2012
Hermann Eberle 2012 - 2014
Joachim Lichtblau seit 2014



Text: Alfred Koch, Hartmut Stache